ÖSTERREICH: Arche Noah – Garten zum Weltretten

Niederösterreich ist voller Gärten und Parks, ein wahres Garten-Reich. Kloster-, Schloss-, Privat-, Nutz- und Erlebnisgärten. So sieht Garten-Vielfalt aus. 125 Gartenbesitzer haben sich zusammen geschlossen und gärtnern biologisch: Das ist einzigartig! Doch wer steckt hinter dieser Gartenoffensive? vonREISENundGAERTEN stellt die Garten-Macher an der Donau und ihre Gärten vor. Eine Serie.

 

Der Arche Noah Schaugarten – Schutzraum der Vielfalt

Barock-Pavillon im Arche Noah Garten, der eine kleine Gartenbuch-Bibliothek birgt

 

 

Alles ist essbar in diesem Garten, dem Arche Noah Schaugarten in Schiltern bei Langenlois. Irgendwie wirken die übervollen Beete wie ein Küchengarten für einen Riesen. Und wen mag es da wundern, dass der Grund früher zum Garten vom nahen Schloss Schiltern gehörte. Es war der „Kuchlgarten“, also der Küchengarten. Gemüse hat in diesem Boden Tradition.

Pflanzen vor dem Aussterben retten

Doch es geht nicht um gewöhnliches Gemüse, sondern um seltene Sorten von Kulturpflanzen. Deshalb Arche Noah: Die letzten ihrer Art werden durch die Arbeit des Arche Noah-Teams vor dem Aussterben gerettet.

Rettung von Kulturpflanzen

„Vor allem durch die Industrialisierung der Landwirtschaft sind 75 Prozent der Sorten der Kulturpflanzen seit 1990 verloren gegangen“, beschreibt die Leiterin des Schaugartens, Kathrin Ehlert, die dramatische Situation in der Welt. „90 Prozent der Nahrungsmittelernte weltweit werden von nur noch ca. 100 Kulturpflanzenarten getragen.“
Das sind 100 von insgesamt rund 4800 bekannten Kulturpflanzen. Welch Fanal. „Arche Noah will diesen Verlust stoppen.“ Schnell wird klar: In diesen Beeten steckt viel Engagement, nicht nur gärtnerisches, sondern auch politisches.

Kathrin Ehlert im Arche Noah Garten vor Schloss Schiltern

 

Pflanzensamenbank

Das Herz der Arche Noah ist ihre Samenbank. 6000 verschiedene Kulturpflanzen befinden sich in dem Samenarchiv. „Sicherlich sind wir eine der größten privaten Kulturpflanzen-Samenbanken Europas“, meint Kathrin Ehlert sichtlich stolz. Allein die Obstdatenbank führt 900 Sorten, auch sehr seltene Sorten wie den Himbeerapfel. Viele der Kulturpflanzen kommen in den Gärten oder der Landwirtschaft kaum mehr vor. Sie sind vom völligen Verlust bedroht.

 

Vielfalt von Kulturpflanzen im Arche Noah Garten zum Kaufen und Selbstanbauen

 

Alte Tomatensorten

„In unserem Samenbestand haben wir zum Beispiel 500 verschiedene Paradaiser aus alter bäuerlicher Herkunft“, erläutert Kathrin Ehlert weiter. „Einige von diesen Tomaten bauen wir immer wieder an.“ Da staunen die meisten Besucher, wenn sie dann im Schaugarten vor 20 verschiedenen Tomaten-, Chili- oder Auberginensorten stehen. Vielfalt demonstrieren – das gelingt diesem Garten.

 

Amaranth in Niederösterreich

Was man an diesem Ort alles über Pflanzen erfahren kann, ist unglaublich. Wussten Sie etwa, dass Auberginen nicht immer dunkel glänzend sein müssen, sondern in vielen Farben und Formen vorkommen? Und wo sieht man schon Amaranth wachsen? Die Sorte „Oranger Riese“ bringt eine wirklich riesige Pflanze mit riesigen Blättern und einer riesigen Puschelspitze hervor.

„Wir zeigen aber auch ganz alte historische Kulturpflanzen wie den Hirschhornwegerich. Die wurden früher von der Römerzeit bis zum Mittelalter noch gegessen, dann aber vergessen, wie auch die Melde, die vom Spinat verdrängt wurden.“

 

„Oranger RIese“ – der Name dieser Amaranth-Sorte passt gut!

 

Anregung zum Balkon-Gärtnern

Der „Schau-Balkon“ mit seinen Töpfen voller Kräuter und Gemüse überzeugt, dass auch Balkonien zum Gemüsegarten gereichen kann. Die Besucher sollen animiert werden, ihre eigenen Nutzpflanzen anzubauen, egal ob im Hausgarten oder auf dem Balkon.

 

 

 

Ribiseln-Auswahl

Beeindruckend ist die Sammlung der Beerensträucher-Raritäten. Allein schon die Namen der alten Ribiseln-Sorten – so heißen Johannisbeeren auf Österreichisch – klingen historisch: „Rote Versailler“, „Houghton Castle“ oder „Erstling aus Vielanden“.

Neu hinzu gekommen ist eine Küche im Garten, so dass die Gäste die biologisch angebauten Gemüse und Kräuter gleich verspeisen können. „Denn wir wollen unsere Pflanzen nicht nur zeigen“, sagt die Pflanzenexpertin Ehlert, „sondern auch auf die Märkte und auf die Teller bringen.“ Zu schaffen ist das alles nur, weil viele engagierte Gartenmenschen, teils mit sehr hohen Idealen, bei der Arche Noah mitarbeiten.

 

 

„Wiener Haferbirne“

Mitten in dieser Pflanzenwelt steht ein barocker Gartenpavillon. Ein hübsches Gebäude mit Gartenmotiven als Wandmalereien. Er ist von einer historischen Obstbaumwiese umgeben. Da wächst eine „Hedelfinger Riesenkirsche“, ein großer knorriger Baum mit Flechten auf den kräftigen Ästen. Ein Stück weiter steht eine „Wiener Haferbirne“, eine angepasste lokale Birnensorte. Bevor sie in Vergessenheit geraten war, wuchs die Birne im Wienerwald.

 

Im Arche Noah Schaugarten wachsen alte Obstbäume wie die Hedelfinger Riesenkirsche von 1850

Naturgarten

„Wir versuchen das genetische Potential zu erhalten, nur wenige Pflanzen verändern wir.“ Außerdem geht es der Arche Noah darum, altes Wissen weiterzugeben. Wie vermehrt man bestimmte Pflanzen? Das ist nicht immer einfach. Kathrin Ehlerts Rat für Profis oder Hobbygärtner lautet: „Standort angepasste Sorten wählen. Immer mit der Natur gärtnern!“

 

Österreichischer Schaugarten mit alten Kulturpflanzen

Der Arche Noah Garten in Niederösterreich ist voller Beete mit alten Kulturpflanzen

 

 

WAS IST NOCH GUT ZU WISSEN?Foto mit Gartengeräten

INFORMATIONEN:  Arche Noah Schaugarten, Obere Straße 40, 3553 Schiltern (bei Langenlois/Krems), Niederösterreich. Geöffnet von April bis Oktober. Auf den Führungen durch den Garten erfahren die Besucher von der Geschichte der Kulturpflanzen. Aus der Gartenküche kommen kulinarische Kostproben. Dort können auch Kochkurse belegt werden. Im Shop stehen Jungpflanzen und Saatgut alter Sorten zum Verkauf. Gäste können sich Gartenbücher aus der Gartenbibliothek ausleihen und im Obstgarten lesen. Die „Arche Noah – Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzen & ihre Entwicklung“ ist als Verein organisiert und zählt mehr als 15.000 Mitglieder.
www.arche-noah.at

Lage: Das österreichische Bundesland Niederösterreich liegt westlich von Wien. Die Gärten lassen sich am besten mit dem (Miet-) Wagen erreichen.

Weitere empfehlenswerte Gärten in Nähe: die Kittenberger Erlebnisgärten. Mehr dazu in den nächsten Beiträgen in vonREISENundGAERTEN.

Die 125 Mitglieder des Vereins „Die Gärten Niederösterreichs“ sind in einer kostenlosen Broschüre mit Plan verzeichnet.

Eine Plakette am Eingang kennzeichnet jene Gärten in Niederösterreich, die der Aktion „Natur im Garten“ mit Foto einer gelben Blüteeiner ökologischen und naturnahen Bewirtschaftung folgen.

In den Monaten Juni bis August bieten Gärten, Parks, Hotels und Gaststätten in der Initiative „Gartensommer Niederösterreich“ eine Reihe von Veranstaltungen, wie etwa Kino im Garten bei Vollmond oder die „Living Plants – Bewegende Pflanzengeschichten“. Da verwandeln sich schauspielernde Akrobaten in Pflanzen und erzählen blumige Geschichten.

BESONDERES: Schloss Grafenegg – ein Stück weiter an der Donau – ist ein Ort der Kultur. Gleich neben dem historischen Schlossgebäude sitzt die moderne Freiluft-Bühne „Wolkenturm“ wie auf einem grünen Hügel mitten im 32 Hektar großen Park. Bayreuth lässt grüßen. Wenn im Sommer dann dort klassische Musik erklingt, können die Augen der Zuhörer ins Grüne driften, hin zu den vielen alten Bäumen. Grüner Klang!

TIPP- ÜBERNACHTUNG:  Weinstöcke umgeben das Hotel Loisium, welches als modernes Design-Hotel mitten in die Weinberge gebaut ist. Es liegt am Rand der hübschen Wein- und Gartenstadt Langenlois, strategisch günstig für die Besuche verschiedener Gärten in Niederösterreich. Cooles Design, gewöhnungsbedürftige Badezimmer, gute Küche.

TIPP-SPEISEN: In Niederösterreich muss der Gast abends unbedingt einen Heurigen besuchen. Sehr schön, wie in einem kleinen Garten, sitzt man beim Heurigen Steinschaden in Langenlois auf dem Sauberg (heißt wirklich so) – mit tollem Ausblick und ausgezeichneter Küche. Marillenknödel bestellen!

TIPP-LITERATUR: Eine praktische Anleitung zum natürlichen und ökologischen Gärtnern liefert das Buch zur Initiative „Natur im Garten“. Dort wird beschrieben, wie man seinen Garten Schritt für Schritt umstellen kann auf Gärtnern ohne Pestizide, ohne chemisch-synthetischen Dünger und ohne Torf. Kurz: Das Buch für den Weg zur biologischen Vielfalt.
Mein Weg zum Naturgarten: Natürlich und ökologisch Gärtnern, Hrsg. vom Verein „Natur im Garten“, avBuch im Cadmos Verlag, 2016, ISBN 978-3-8404-8117-8
Buch bei Amzon ansehen oder bestellen:

 

WEITERE INFOS ZUM REISELAND Österreich: www.austria.info , zu Niederösterreich: www.niederoesterreich.at

 

Foto von Stachelbeer-Raritäten im Arche Noah Schaugarten in Niederösterreich

Stachelbeer-Raritäten im Arche Noah Schaugarten in Niederösterreich

Lesen Sie auch den vonREISENundGAERTEN-Artikel über Die Garten Tulln – Öko-Gartenschau an der Donau.


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