INTERVIEW: Pflanzenflüsterer Karl Ploberger aus Österreich

Karl Ploberger (*1959) ist vermutlich Österreichs bekanntester Biogärtner. Der Tausendsassa moderiert die Sendung „Natur im Garten“ (ORF und 3Sat), schreibt ein Gartenbuch nach dem anderen, hält Vorträge über das Gärtnern und leitet seit über 20 Jahren Gartenreisen, am liebsten nach England. Er liebt die Chelsea Flowershow. Zuhause in Oberösterreich gartelt der Journalist in seinem eigenen Garten – ökologisch natürlich.

vonREISENundGAERTEN hat den österreichischen „Pflanzenflüsterer“ getroffen und mit ihm über seine Beziehung zum Garten gesprochen.

Die Fragen lehnen sich an den berühmten „Proust’schen Fragebogen“ an, einst ein witziges und geistreiches Gesellschaftsspiel in den Pariser Salons. Der französische Schriftsteller Marcel Proust füllte ihn gleich mehrmals im Leben aus.
Lesen Sie in
vonREISENundGAERTEN passend adaptiert „Proust im Garten“ über Persönlichkeiten und ihre Gartenleidenschaft.

 

Karl Ploberges privates Gartenmotto:  „In jedem Paradies gibt es eine Schlange“

 

Karl Ploberger im Garten

Karl Ploberger könnte man als den Biogarten-Papst Österreichs bezeichnen. (Foto: Christoph Böhler)

 

Wann ist Ihre Sehnsucht nach dem Garten geweckt worden?
Da war ich sechs Jahre alt. Mein Vater war Tischlermeister und Bestatter. Durch die Bestattung sind wir immer auch zum Gärtner in unserem Ort gekommen. Ich kann mich wirklich noch genau erinnern, als ich das erste Mal in sein Gewächshaus kam. Er war ein Alpenveilchenzüchter. Heute kriege ich immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Damals sagte ich mir: Das mache ich auch einmal.
Als Jugendlicher habe Ich mir dann tatsächlich mit Holz von der Tischlerei, Plastikfolie und einem Heizlüfter mein eigenes Gewächshaus gebaut.

Können Sie sich an ihr erstes Gartenerlebnis erinnern?
Als siebenjähriger Bub habe ich eine Kastanienallee im Garten anlegen wollen. Da habe ich viel experimentiert. Diese Freude an Neuem ist mir geblieben und das Entdecken mit Pflanzen. So kommt es auch, dass ich alles, worüber ich in meinen Vorträgen berichte oder in meinen Büchern schreibe, irgendwann einmal selbst erlebt habe. Das ist wohl das Besondere.

Hatten Sie einen Garten der Kindheit?
Das war der Garten meiner Eltern. Mit etwa zehn, zwölf Jahren habe ich seine Pflege übernommen. Das war toll. Mit meinem Vater, einem Hobbygärtner, habe ich einen Gemüsegarten angelegt.

In welchem Garten wären Sie gerne aufgewachsen?
In Great Dixter.
Meine erste Gartenreise führte mich nach England und der erste Garten, den ich dort besuchte, war Great Dixter. Inzwischen war ich mehr als 15 Mal dort. Und Christopher Lloyd (der Gartengestalter und -besitzer von Great Dixter, gestorben 2006) hatte mich in sein Herz geschlossen.
In Great Dixter geht es nicht nur um Gartenkultur, sondern auch um das gemeinsame Gärtnern von Menschen aus verschiedenen Ländern. Great Dixter beherbergt Studenten aus der ganzen Welt. Dort habe ich auch eine Woche mitgearbeitet. Was die Philosophie angeht, ist das der schönste Garten der Welt für mich.

In welchem Garten würden Sie heute gerne leben?
Ich bin am liebsten in Highgrove. Dieser Garten von Prinz Charles ist wirklich etwas sehr Eindrucksvolles. Im Jahr 2017 habe ich Prinz Charles auch persönlich getroffen, als er in Österreich auf Staatsbesuch war. Es war hochinteressant. Er hat sehr gelobt, was wir in Österreich für den ökologischen Gartenbau machen. Das sei einzigartig, meinte er.

Wie sieht Ihr idealer Garten aus?
Mit viel Natur. Wie ein Garten für intelligente Faule. (So lautet auch der Titel eines der Gartenbücher von Karl Ploberger.) Mit viel Erlebnis. Eine geordnete Wildnis.

Welcher Garten würde Sie völlig glücklich machen?
Ein Garten ohne Wühlmäuse. Die sind schlimmer als Schnecken bei mir. Doch wie sagen die Engländer: ‚In jedem Paradies gibt es eine Schlange.’

Karl Ploberger im Garten.

Der Gartenliebhaber Karl Ploberger liebt nicht nur seinen eigenen Garten, sondern bereist auch Gartenjuwele weltweit. (Foto: Christoph Böhler)

In welchem Garten fühlen Sie sich unwohl?
In den minimalistischen Gärten der modernen Architekturhäuser, die nur aus Buchskugeln, englischem Rasen und Thuja-Hecken bestehen. Das ist nicht meine Welt. Da leide ich mit den Tieren, die da nicht mehr leben können.

Was wäre das größte Unglück für Ihren Garten?
Eine wirkliche Katastrophe wäre, wenn ich keinen Garten mehr hätte. Aber das ganze Leben ist Veränderung. Dann würde ich vermutlich nur noch in Gärten reisen.

Welcher Garten bedeutet für Sie das vollkommenste irdische Glück?
Ein Obst-, Beeren- und Gemüsegarten. Ein Küchengarten, in dem alles üppig wächst und Du aus dem Vollen schöpfen kannst. Das ist für mich ein Paradies.

Welche Gärtnerfehler entschuldigen Sie am ehesten?
Die Pflanzengier, der vielleicht größte Gärtnerfehler. Ich kann gut verstehen, dass man oft viel mehr Pflanzen für den Garten kauft, als dort eigentlich Platz haben.

Wer sind Ihre Gartenhelden und -heldinnen?
Da gibt es einige. Unbedingt Christopher Lloyd und sein Head Gardener Fergus Garrett (beide vom Garten Great Dixter).
Auch Gabriella Pape. (Die Gartendesignerin leitet die Königliche Gartenakademie in Berlin und ist Autorin mehrerer Gartenbücher.  Sie ist sehr taff und wir sind uns ähnlich.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung im Garten?
Zwei Dinge mache ich gerne: Das ist Gießen, was auf mich beruhigend wirkt, und Unkrautzupfen. Ja, wirklich. (Er lacht.)

Was schätzen Sie an Gartenfreunden an meisten?
Sie sind unheimlich freundlich, auch sehr gastfreundlich. Und viele sind durchwegs experimentierfreudig, genau wie ich. Das gefällt mir besonders.

Was ist Ihre Lieblingsfarbe im Garten?
Blau. Es gibt zu wenig blaue Pflanzen. Ich liebe die ersten Vergissmeinnicht, die Leberblümchen und den Himalaja-Mohn (Blauer Scheinmohn), der aber kaum bei uns wächst. In Sissinghurst habe ich ein ganzes Beet voll davon gesehen. Das war wunderschön. Da leuchtet das Blau! (Er strahlt.)
Aber es gibt keine Farbe, die ich nicht mag. Manche sagen ja: ‚Gelb geht gar nicht.’ Aber ich dagegen liebe Gelb. Der Frühling ohne Gelb – unvorstellbar! Was würde ich ohne Narzissen machen?

Karl Ploberger mit gelber Rose.

Karl Ploberger liebt Pflanzen über alles, auch mit gelben Blüten. (Foto: Christoph Böhler)


Welcher Garten ist für Sie das vollkommene Arkadien?
Mein Garten. Ich hätte ihn aber gerne 50 Mal so groß, englisch eben. Jetzt habe ich 2.500 Quadratmeter. Aber ein zehn Hektar großer gestalteter Waldgarten wäre toll. Das mache ich dann im nächsten Leben. (Er lacht.)

Wer ist Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte großer Gartenliebhaber?
Mein großes Vorbild ist Marie-Luise Kreuter (Gartenbuchautorin und Pionierin des ökologischen Gärtnerns, Journalistin, 1937-2009). Mit ihrem tollen und erfolgreichen Buch „Der Biogarten“ war sie schon vor 35 Jahren wegweisend, ja visionär. Irgendwann möchte ich über sie ein Buch schreiben.

Was ist Ihr Lieblingsgartengemälde?
Die ‚Seerosen’ von Monet. Das ist ein ganz tolles Bild. Der Garten von Claude Monet (in Giverny in der Normandie in Frankreich) ist ein so schöner Garten, mit der berühmten Brücke und den Glyzinien (Blauregen/Wisteria). Die Liebe des Künstlers zu den Pflanzen spiegelt sich in diesem Garten wieder.

Was ist Ihre Lieblingsgartenpflanze?
Die Zyklame, das Alpenveilchen. (Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen.)

Was ist Ihr Lieblingspflanzenname?
Lonicera x purpusii – die Duft-Heckenkirsche. Ich erwähne diese in jedem Vortrag. Bei purpusii müssen immer alle lachen. Eine wunderbare Pflanze, die im Frühjahr eine Duftorgie auslöst. Vermutlich bekomme ich irgendwann einen Orden von den Züchtern der Duftheckenkirschen, weil gefühlt in fast jedem österreichischen Garten jetzt eine Duftheckenkirsche wächst. Die Pflanze ist auch für Bienen interessant.

Was verabscheuen Sie in Gärten am meisten?
Monotonie. Ich liebe die Vielfalt in jeder Hinsicht. Auch das Unkonventionelle. Anders Gärtner, das ist meins.

Glauben Sie, dass der Grüne Daumen eine natürliche Gabe ist?
Nein, ich glaube, dass man das lernen kann. Und man kann den Grünen Daumen kultivieren. Leidenschaft muss entfacht und gefördert werden und dann wachsen.

Sie steigen in eine Zeitmaschine. In welchen Garten würden Sie reisen?
Ich würde gerne mit Karl Foerster (Potsdamer Staudengärtner 1874-1970) durch seinen Garten gehen. Denn er gab mir den Titel für eines meiner Bücher „Der Garten für intelligente Faule“. Förster meinte, dass der Staudengarten ideal sei für intelligente, aber faule Gärtner. Das wäre sehr, sehr toll, mit ihm durch seinen Garten zu gehen.

Ist vollkommen irdisches Glück ohne Garten für Sie vorstellbar?
Nein, ich kann es mir für mich nicht vorstellen.

Wo möchten Sie sterben – im Garten?
Ach, das wäre schön. Und ich möchte im Garten begraben werden. Aber sterben möchte ich eigentlich gar nicht.
Ich habe auf einer Gartenreise in Sri Lanka mitbekommen, dass ein Gartenbesitzer, der in seinem Garten gestorben war, seine Asche mit dem Hubschrauber über seinen Garten hat verstreuen lassen. Das wäre etwas! Wenn ich dann auch noch Dünger für meine Pflanzen wäre.

Wie ist Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Ich bin voller Power und wundere mich oft selbst, wieviel ich selbst zustande bringe. Ich mache wahnsinnig viel und habe viele Termine. Vergangenes Jahr zählte ich 143 Nächte im Hotel, 55.000 zurückgelegte Kilometer und 50 Flüge. Und am Ende des Jahres dachte ich: Ich habe das ganze Jahr nicht arbeiten müssen, sondern meinem Hobby gefrönt. Das ist das Tolle!

Ihr Gartenmotto? Gibt es eines?
Zulassen. Viel mehr zulassen. Und: Geduld und Gelassenheit! Das sind meine beiden Gärtnertugenden, die ich immer predige. Die sind im übrigen Leben auch sinnvoll.

Haben Sie denn selbst Geduld?
Ich habe sie erlernt. Und inzwischen habe ich eine wahnsinnig große Gelassenheit.

Interview: Daniela David    ©vonREISENundGAERTEN   Fotos ©Christoph Böhler

 

Karl Ploberger im Garten

Für Karl Ploberger ist der Garten das Paradies auf Erden. (Foto: Christoph Böhler)

 

WAS IST NOCH GUT ZU WISSEN?

Karl Ploberger gibt auf seiner Website Gartentipps. Leser können bei ihm auch Gartenfragen einreichen. Der Österreicher moderiert nicht nur die Sendung „Natur im Garten“ (ORF) über ökologisches Gärtnern, sondern auch Dokumentationen über Gartenbesuche in anderen Ländern (3Sat). Gartenliebhaber können sich einige der Filme auf you tube ansehen.

LITERATUR-TIPP: Als Autor hat Karl Ploberger zahlreiche Bücher geschrieben. Zwei davon seien hier empfohlen.
Mit seinem Bestseller „Der Garten für intelligente Faule“ wollte der Gartenenthusiast vor vielen Jahren seinen Lesern Mut machen und zeigen, dass Gärtnern – oder „Garteln“ wie man in Österreich sagt – nicht immer in Arbeit ausarten muss. Sein Plädoyer für das Biologische Gärtnern hat er inzwischen runderneuert:
Karl Ploberger, Best of – Der Garten für intelligente Faule, 2016, 2. Auflage, avBuch im Cadmos Verlag, ISBN 978-3-8404-7546-7

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Gemeinsam mit seiner Tochter Karoline Ploberger (*1995) hat der Biogärtner ein neues Buch über praktisches Garteln, Anbau von Gemüse und Kräutern und die anschließende Zubereitung geschrieben:
Karl Ploberger, Karoline Ploberger, Gartenlust und Küchenzauber für intelligente Faule, 2018, avBuch im Cadmos Verlag, ISBN 978-3-8404-7564-1

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WEITERE INFOS zu Karl Ploberger:  www.biogaertner.at

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