HOLLAND: Tulpen-Design im Keukenhof

Holländische Tulpenmanie und das Gartendesign vom Keukenhof

 

 


„Es ist ein Traumberuf“, sagt der junge Mann gleich zu Beginn des Gesprächs. Er meint: Garten- und Landschaftsarchitekt im Keukenhof zu sein. Hollands berühmteste Blumenschau, die weltweit einen Namen hat und während einer Öffnungszeit von nur acht Wochen im Jahr über eine Million Gäste anzieht.

Kaum einer der Besucher weiß, dass ein sehr junger Mann der Kopf der Planung ist: Martin Elling, 27 Jahre alt. „Mit 24 habe ich hier angefangen“, meint der Holländer. Was für ein Karriereeinstieg… und vermutlich auch ein ziemlicher Erfolgsdruck. Doch davon ist bei Martin – in Holland duzt man sich schnell – nichts zu spüren. Der Mann im blauen Anzug und den Schuhen mit Blumendruck strahlt viel jugendliches Selbstbewusstsein aus.

 

Martin Elling ist der Garten-Designer vom Keukenhof

 

Kunst im Tulpenbeet
„Es ist so schön, das Design hier machen zu dürfen und zu sehen, wie die Leute sich freuen. Wie Blumen die Menschen glücklich machen können. Das ist schon wundervoll. Das ist mein Ansporn.“ Von seinem Büro aus kann er die Besucher in den Blumenpark strömen sehen. Und sie strömen zu Tausenden.
Und was sie zu sehen bekommen, bringt die Gäste in Verzückung. Da gibt es unendlich viele Beete mit Tulpen und anderen Frühjahrsblühern wie Krokusse oder Narzissen. Dazwischen sind einige Kunstwerke platziert.

 

 

Gärten der Inspiration
Eher unerwartete Gartenkunst bekommt der Gartenfan in den sogenannten Inspirationsgärten zu sehen, die wie auf einer Bundesgartenschau eine Idee, ein Motto gärtnerisch umsetzen. Zum Beispiel der Delfter Blau-Garten, der Blumen mit Geschirr auf witzige Weise kombiniert. Sogar ein Irrgarten aus Eiben ist zu begehen. Dazu sind auf dem 32 Hektar großen Keukenhof-Gelände mehrere Glas-Pavillons mit riesigen Blumenschauen verteilt.

 

 

Tulpen-Geschmack
„Der Geschmack der Menschen ist auch bei Blumen unterschiedlich“, erklärt Martin. Bei Besuchern aus über 100 Ländern müssen wohl viele verschiedene Geschmäcker zusammenkommen. „Manche bevorzugen starke Farben, zum Beispiel Besucher aus dem Nahen Osten. Oder Japaner lieben bestimmte Tulpensorten. Ich versuche, Designs für die unterschiedlichen Vorlieben zu entwickeln.“

 

 

Blumen als Foto-Kulisse
Die Reaktion bei den meisten: Begeisterung – und die wird fotografisch festgehalten. Fotos und noch mehr Fotos machen ist die Devise einer absoluten Mehrheit der Besucher. Doch einige gucken sich auch die Pflanzen genau an und fachsimpeln mit Freunden.

 

 

Blumenschau für Profis
Zur Blumenschau kommen nicht nur Touristen, sondern auch Zwiebelhändler und –käufer. Bei den Blumenbeeten sind Schilder mit dem Namen des Zwiebelzüchters zu sehen. So können die Profis bestimmte Blumensorten in Augenschwein nehmen und zum Beispiel auswählen, welche der 800 Tulpensorten sie später beim Züchter ordern möchten. „Im Keukenhof wird das Beste vom Besten gezeigt“, versichert Patricia Jelgerhuis, die Gäste herumführt. „Der Keukenhof gilt als Visitenkarte der holländischen Blumenzwiebelzüchter.“

 

 

Zwiebel-Weltmeister
Holland ist weltmeisterlich in Sachen Zwiebel: Das kleine Land hat einen Anteil von Dreiviertel der weltweiten Blumenzwiebelproduktion. Große Teile davon werden nach Deutschland, Großbritannien, die USA, Japan und Frankreich exportiert. Um die Blumen in einem außergewöhnlichen Rahmen zu präsentieren, hat eine Stiftung von holländischen Blumenzwiebelzüchtern nach dem Zweiten Weltkrieg den Keukenhof übernommen.

 


Inspiration und Plan

Wie geht Martin vor bei der Planung? „Der Park hat verschiedene Teile. Bei dem historischen Teil mit dem See versuche ich mehr klassische Formen. An anderen Stellen probiere ich Neues aus. Dieses Jahr habe ich einen Regenbogen gestaltet – mit Tulpen aus einer Familie, damit sie zur selben Zeit blühen.“

 

 

Blumen-Planung
Die Planungsphase nimmt im Keukenhof zehn Monate im Jahr ein. Nur zwei Monate im Frühjahr ist die Blumenschau geöffnet. Das ist die heiße Phase. Die Zahl der Mitarbeiter steigt dann von 50 ganzjährig Beschäftigten auf mehr als 1000 temporär Engagierten an.

Während im Park die Besucher die gestalteten Beete von Martin Elling bewundern, arbeitet er schon längst am Design für das nächste Jahr. „Soviel kann ich für 2018 schon verraten: Ich suche spezielle klassische Formen, zum Beispiel ein französisches Parterre, welches dann die acht Wochen durchblüht.“

 

 

Designplan
Bereits im März spricht der Gestalter sich mit den 100 Blumenzwiebelzüchtern ab, welche Zwiebeln sie im Angebot haben, Klassiker und neue Sorten. „Manche Züchter haben nur Narzissen, die sind etwas komplizierter als Tulpen. Wenn ich dann weiß, welche Zwiebeln mir zur Verfügung stehen, mache ich die Pflanzpläne und -listen. Die sende ich dann wieder an die Züchter, die im September die ersten Zwiebeln schicken.“

 

Nicht nur Tulpen, auch viele Narzissen-Sorten präsentieren sich im Keukenhof.

 

40 Gärtner
Im Oktober starten 40 Gärtner mit dem Pflanzen: sieben Millionen Stück Zwiebel – alles von Hand gesetzt. Bis Mitte Dezember müssen sie fertig sein. Die Zwiebeln brauchen den Frost.

Martin plant alles im Detail voraus. „Ich weiß genau, wie groß eine Tulpe wird und in welcher Woche welche Tulpe blüht. Doch manchmal, wenn es Anfang des Jahres sehr warm wird, wachsen sie schneller. Die Temperatur spielt da eine große Rolle. Vor ein paar Jahren war es einmal in den ersten Wochen sehr kalt, da kamen die Krokusse einfach nicht. Da konnte man nichts machen. Aber das ist Natur!“

 

Ein blaues Band aus Trauben-Hyazinthen schlängelt sich durchs weiße Beet.

 

Dutch Design
Zu den Keukenhof-Spezialitäten gehört das Design von Mosaik-Bildern, jedes Jahr zu einem anderen Thema. In 2017 ist es „Dutch Design“ – Holländisches Design. Dafür hat Martin ein riesiges Bild von dem holländischen Maler Piet Mondrian anlegen lassen. Die Besucher betrachten es von einer kleinen Tribüne aus von oben.

 

 

Lasagne-Technik im Blumenbeet
„Das Mondrian-Bild haben wir zuerst mit Krokussen gemacht. Und dann kommen die Tulpen. Wir pflanzen die Zwiebel für die Mosaikbilder in Schichten, manchmal sogar drei Schichten. Diese sogenannte Lasagne-Technik wenden wir seit etwa 15 Jahren an. Das ist unser Know-How. Oft werden Mosaiken nur mit einer Blumenart gepflanzt. Auch in den ersten Jahren vom Keukenhof war das noch so. Aber mit der Schichtentechnik haben wir eine Blütegarantie für die acht Wochen. Man muss eben die richtigen Zwiebeln auswählen. Zuerst die Krokusse, dann die frühblühenden Tulpen, dann die spätblühenden.“
Übrigens, nach der Show, Ende Mai, werden alle Zwiebeln wieder ausgebuddelt und vernichtet.

 

 

 

Anfänge eines Gartendesigners
Um noch einmal zum Anfang des Gesprächs zu kommen: Wie schafft man es, Gartendesigner im Keukenhof zu werden, wollte ich von Martin wissen. Wie war die Vorgeschichte? „Ich komme aus einer Blumenzwiebelgegend in Holland. Schon als Teenager habe ich da immer mitgearbeitet. Da habe ich alles rund um die Zwiebel gelernt und selbst gemacht. Ich liebte es schon immer, draußen mit den Händen zu arbeiten. Bis 15 wollte ich deshalb eigentlich Bauer werden. Meine Familie war aber nicht begeistert davon. Daher entschied ich mich für Gartendesign, da ich Design liebe“, erzählt Martin von früher, als wäre alles schon sehr lange her.

 

Gefüllte Tulpen – Keukenhof, ein Ort der Fülle.

 

Von der Uni direkt in den Job
„Dann habe ich Garten- und Landschaftsarchitektur an der Universität studiert und danach gleich diesen Job im Keukenhof bekommen.“ Quasi von der Uni wegengagiert! „Ich war selbst überrascht, dass ich ihn bekomme. Doch vorher hatte ich schon eine Indoor-Blumenschau gestaltet. So kannte man mich bereits in der Szene.“

Und nun ist Martin Elling intensiv mit dem nächsten Jahr und immer auch mit den folgenden Jahren beschäftigt. Denn auf dem Gelände wachsen ja nicht nur Blumen, sondern auch Bäume, Sträucher und Stauden. „Ich pflanze für die Zukunft, das ist meine Vision.“

 

 

Schloss Kasteel Keukenhof
Ursprünglich gehörte das Gelände zu einem adeligen Landsitz. Im Jahre 1860 wurde das alte Landhaus von 1640 in ein Schloss ausgebaut, das heute als Kasteel Keukenhof noch steht. Der damals bekannte Gartenarchitekt Zocher legte den Schlossgarten an. Auf Reisen in England hatte er die Kunst des Englischen Gartens erlernt. So gestaltet Zocher einen großzügigen Landschaftspark mit viel Wasser. Teile sind davon heute noch erhalten.

 


Keukenhof Park

Doch inzwischen trennt eine Straße den ehemals riesigen Schlosspark: das Schloss mit einem kleineren Park auf der einen Seite und das Gelände von der Keukenhof Blumenschau auf der anderen Seite. Vielleicht gibt es in Zukunft wieder eine Vereinigung, denn die jeweiligen Eigentümer-Stiftungen haben sich vor kurzem miteinander verbunden.
Und vielleicht hat Marin Elling dann in den nächsten Jahren noch mehr zu tun.

 

 

WAS IST NOCH GUT ZU WISSEN?

INFORMATIONEN: Keukenhof, Stationenweg 166A, 2161 Lisse, www.keukenhof.nl
Die Blumenschau ist jedes Frühjahr für acht Wochen geöffnet. In 2017 bis zum 21.5.2017. Am besten kommt man gleich morgens oder am spätnachmittag, dann ist es nicht so voll.
Im Keukenhof starten auch die „Flüsterboote“. Mit diesen Elektrobooten können Besucher durch die Kanäle zwischen den Blumenfeldern gleiten – auf Augenhöhe mit den Tulpen. Auch Fahrräder lassen sich für eine Tour durch die Blumenfelder mieten.

Das Schloss Keukenhof kann zu bestimmten Zeiten besichtigt werden, was sich lohnt. Viel originales Interieur ist noch erhalten. In dem ehemaligen Bauernhaus des Gutes befindet sich ein Lokal, das abseits des Blumenschautrubels einen guten Platz zum Speisen und Ausruhen bietet. Um zum nahegelegenen Schloss zu gelangen, muss der Blumenpark verlassen werden. Die geführte Tour durch das Schlossgebäude ist interessant, da viel Mobiliar erhalten ist und allein die außergewöhnliche Familiengeschichte schon hinhören lässt.

Das historische Keukenhof-Gelände mit Schloß und Gärten


ANREISE:
Der Keukenhof liegt zwischen Amsterdam und Den Haag und ist gut ausgeschildert. Für Autofahrer steht ein großer Parkplatz bereit. Vom Amsterdamer Flughafen Schiphol und vom Hauptbahnhof gibt es direkte Express-Busverbindungen zum Keukenhof.

TIPP-ÜBERNACHTUNG: Zwei Gartenhotels im nahegelegenen Ort Oestgeest sind zu empfehlen. Lassen Sie sich nicht von dem für Deutsche so schwer auszusprechenden Ortsnamen abschrecken!
Hotel Kasteel Oud Poelgeest liegt inmitten eines bewaldeten Parks. Die Vögel zwitschern dort wie im Urwald. Die ruhig gelegenen Zimmer befinden sich nicht im Schloss, sondern in einem Nebengebäude. Der zehn Hektar große Park birgt die typische Stinzenflora, im Frühling mit Buschwindröschen und verschiedenen Anemonen. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann mit dem Biologen Joop Kortselius vom Verein für Naturerziehung IVN eine Führung durch den Park machen. Joop spricht deutsch. Er wohnt gleich nebenan und kennt den Schlosspark ganz genau. IVN tour Park Kasteel Oud-Poelgeest, mjhkortselius@hetnet.nl

Das Kasteel Oud Poelgeest liegt in einem naturbelassenen Park.

Hotel Villa Beukenhof ist ein 500 Jahre altes Haus mit neun luxuriösen Zimmern. Auf der Sommerterrasse lässt sich unter einer alten Buche die anspruchsvolle Küche des Restaurants genießen.

Weitere empfehlenswerte Gärten in der Nähe: In der nahegelegenen Stadt Leiden befindet sich der älteste Botanische Garten der Niederlande, der Hortus Botanicus Leiden. Übrigens war es der erste Direktor des Botanischen Gartens Leiden, Carolus Clusius, der im 16. Jahrhundert der Tulpe in Holland den Weg des Erfolgs ebnete.
In der Altstadt von Leiden muss man sich als Gartenbegeisterter unbedingt die sogenannten Hofjes ansehen. Diese von der Straße abgeschirmten Innenhöfe aus dem Mittelalter sind noch heute bedürftigen Bewohnern vorbehalten. In einigen der Höfe gibt es wunderbar idyllische Gärten zu entdecken. Diese können eigenständig oder mit einer geführten Tour vom Tourismusbüro Leiden besucht werden.

WEITERE INFOS ZUM REISELAND Niederlande: www.holland.com

 

Lesen Sie auch über eine ganz andere Art von Gartenschau in Österreich:  Garten Tulln!

 


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