TESSIN: Villa Carona – Gartenhotel im Künstlerdorf

Schweizer Patrizierhaus mit Palmen im Garten

 

Gartenhotel Carona mit Palmen

Mediterranes Flair mit Palmen im Schweizer Kanton Tessin

 

Die Gastgeber
Die Villa Carona ist ein familiengeführtes, eigenständiges Hotel. Das spürt man gleich als Gast. Die Eigentümer Cornelia und Jörg Deubner-Marty sind stets präsent, auch wenn sie mit ihren drei Töchtern nicht selbst im Hotel wohnen. Sie signalisieren Offenheit, kein „Sprich-mich-nicht-an-Gehabe“. Das deutsch-schweizer Paar kommt zwar nicht aus der Hotellerie, bietet aber Gastlichkeit mit Leidenschaft.

Sie, die Schweizerin, hat ursprünglich eine Banklehre gemacht. Er wuchs in Dresden in einem typisch ostdeutschen Plattenbau auf und träumte immer davon, einmal an einem Ort zu leben, wo Palmen wachsen.

„Wir haben beide früher in Carona gearbeitet und fuhren täglich an der Villa vorbei. Da ist sie uns zunächst gar nicht aufgefallen“, erzählt Cornelia Deubner-Marty und muss sich nachträglich fast darüber wundern. Doch dann erfuhren sie, dass das Gästehaus zum Verkauf stand.

Eigentlich wollte das Paar nur ein B&B pachten, nicht kaufen. Doch die Villa gefiel ihnen einfach zu gut. Sie wagten es – mit einem hohen Kredit. 2005 ging es los. Für die beiden erfüllte sich ein Traum: ein kleines, feines Privathotel führen. Inzwischen helfen zehn Mitarbeiter.

 

Hoteleigentümerin Cornelia Deubner-Marty liebt Kamelien

 

Das Gebäude
Das Patrizierhaus wurde 1790 gebaut. Bis 1950 diente es als privates Sommerrefugium einer wohlhabenden Mailänder Familie. Danach wurde es als Gästehaus genutzt. Heute strahlt die gelbe Fassade in der Sonne. Die grünen Fensterläden heben sich kontrastreich ab.

„Wir haben das Haus und die 18 Zimmer nach und nach renoviert“, erklären Cornelia und Jörg Deubner-Marty. „Dabei wurden sogar Freskenmalereien entdeckt.“ Die Bäder sind noch nicht alle modernisiert. Doch gerade dieser Retrostil aus dem letzten Jahrhundert gefällt so manchen Gästen.

Da und dort knarrt das Parkett, wie es sich für ein altes Haus gehört. In den Räumen der oberen Etage sind die Deckenbalken aus Kastanienholz sichtbar. Bewusst stehen in den Hotelzimmern keine Fernsehgeräte, aber Internetzugang gibt es.

 

 

Die Lage
Die Villa mit Garten befindet sich im Tessin nahe des Luganer Sees mitten im Künstlerdorf Carona, das heute 800 Einwohner zählt. Warum Künstlerdorf? Weil schon vor einem Jahrhundert Künstler aus der Schweiz und anderen Ländern das mehr als 1000 Jahre alte Dorf für sich als Ort der Inspiration entdeckt haben.

Vor allem Schriftsteller zog das Dorf an. Der Nobelpreisträger Hermann Hesse war da. Bert Brecht auch. Der deutsche Schriftsteller Kurt Held schrieb im Exil in Carona sein weltberühmtes Kinderbuch „Die rote Zora“.

Das Künstlerdorf Carona liegt im sonnenverwöhnten Tessin

 

„Carona gilt als Kraftort“, sagt Jörg Deuber-Marty. In den 1960er Jahren kamen viele Aussteiger in die Tessiner Gemeinde. „Im Dorf heißt es, wer hier länger als sieben Jahre lebt, wird verrückt, aber glücklich“, erklärt Jörg Deubner-Marty. „Irgendwie sind wir hier alle etwas verrückt“, lacht der gebürtige Sachse, „aber wir verstehen uns gut.“

Und warum soll man ins Tessin reisen? Weil dieser Schweizer Kanton an der Alpensüdseite von der Sonne verwöhnt ist. Dort wachsen Kamelien und sogar Palmen. Das milde Klima macht es möglich. In Carona trifft auf 600 Meter Meereshöhe die Milde des Südens auf die Bergwelt der Alpen.

Das Klima im Tessin ist so mild, dass sogar Palmen wachsen.

 

Der Garten
In diesem Hotelgarten gedeiht die Vielfalt. Dort wachsen Bäume und Gehölze, Stauden und Blumen. Da gibt es seltene Pflanzen wie einen Tulpenbaum oder exotische wie Bananenstauden. An einer Pergola hängen Trauben herab. Aus dieser Sorte „uva americana“ wurde früher Grappa gemacht. Heute kommt sie in die Konfitüren.

Eine höhere Mauer aus Naturstein schirmt den Hotelgarten von der Dorfstraße ab. Dahinter blühen blaue Hortensien. Die Tessiner Fächerpalmen strahlen ein mediterranes Flair aus. Weil sie sich schnell ausbreiten, gelten sie im Tessin als invasiv.

„Der Garten ist unser großes Wohnzimmer“, sagt die Eigentümerin lächelnd. Die Gartenliebhaberin legt beim Pflanzen selbst gerne Hand an. So ist der Hotelgarten eine Mischung aus Alteingewachsenem und Neugepflanztem.

Die Äste des mehr als einhundert Jahre alten Blauregens sind so dick wie Baumstämme. Die violetten Blüten der Wisteria (Glyzinie) bilden ein viele Quadratmeter großes Dach über der Restaurantterrasse. Kann man sich ein sensationelleres botanisches Setting für ein Dinner vorstellen als solch ein florales Zelt?

 

Das Flair
Die Stimmung im Haus hat etwas von zurückgezogener Glückseligkeit. Der Garten scheint maßgeblich dafür verantwortlich zu sein. Ein Blick in den Giardino: Die Gäste sitzen unaufgeregt, voller Gelassenheit, ohne ein sichtbares Handy – und alle lesen.

Beim Anblick dieser in Lektüre versunkenen Reisenden im Grünen möchte man fast meinen, die Welt sei eine andere.

 

Üppig blühen die Kamelien ganz früh im Frühling im Garten der Villa Carona.

 

Die Gäste
In die Villa Carona kommen Menschen, die Ruhe suchen, gerne im Garten lesen oder auf den Spuren von Hermann Hesse wandeln. Dazu zählen viele Deutsche, die auf der Durchreise sind oder in der Schweiz wohnen.

Historische Hotels ziehen oftmals ein älteres Publikum an. Doch in der Villa Carona übernachten auch junge Gäste, die bewusst ein Kontrastprogramm zum neugebauten Designhotel suchen.

 

 

Mein Tag im Hotel
Wie sieht mein idealer Tag in diesem Hotel aus? Morgens öffne ich die Augen und sehe Engel in meinem Zimmer. Eine farbenfrohe Begrüßung der Deckenfreske. Ich nehme das Frühstück im Garten ein. Dafür gibt es seitlich eigens eine Frühstücksterrasse mit Blick auf den Monte Generoso. Die Tische sind fein gedeckt mit Stofftischdecken. Der Kaffee kommt in Porzellantassen mit Blumenmuster und Goldrand, wie früher. Die Konfitüre stammt von Früchten aus dem eigenen Garten: Holunderbeerengelee, Trauben- und Feigenmarmelade.

Danach lege ich mich auf eine der Liegen auf der Sonnenwiese, die vom Hauptgarten abgeschirmt ist. Mächtige Kamelienpflanzen umgeben mich. Geschützt unter einem der Sonnenschirme genieße ich die Bergluft und spüre die Entspannung in meinem Körper.

Später mache ich einen Spaziergang durch das pittoreske Dorf mit den eng aneinander gebauten Gebäuden. Einige stammen noch aus dem Mittelalter.

Den Tee trinke ich am Nachmittag im Hotelgarten. Dabei sitze ich in einem mit echten Schaffellen ausgelegten Korbsessel und blicke auf Tessiner Fächerpalmen, blaue Hortensien und Lavendel.

Abends überquere ich den romantisch beleuchteten Garten. An seinem anderen Ende, direkt gegenüber der Villa, befindet sich das hoteleigene Restaurant „La Sosta“. Seine anspruchsvolle Küche vereint die Eigenschaften des Ortes: Schweizer Bodenständigkeit mit italienischem Touch.

 

Das Patrizierhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert.

 

Fazit
Ob eine Nacht oder mehrere Nächte, die Villa Carona lohnt einen Umweg. Dieser Tessiner Hotelgarten will genossen werden. Carpe diem.

 

 

WAS IST NOCH GUT ZU WISSEN?

INFORMATIONEN: Villa Carona, Via Principale 53, 6914 Carona, Kanton Tessin, Schweiz, Tel. +41 (0)91 649 70 55, info@villacarona.ch, www.villacarona.ch

Im Tessin wird vornehmlich Italienisch gesprochen. Wer per Flugzeug anreisen möchte, kann dies auch via Mailand tun, das nur 80 Kilometer entfernt liegt. Bahnreisende nehmen den Zug bis Lugano und dann den Postbus (ca. 15 Minuten Fahrzeit).

Das Drei-Sterne-Hotel ist Mitglied bei „Swiss Historic Hotels“ (www.swiss-historic-hotels.com), „Historic Hotels of Europe“ (www.HistoricHotelsofEurope.com) und bei „Garten Hotels Schweiz“ (www.gartenhotelsschweiz.ch).

WEITERE INFOS ZUM REISELAND Schweiz: www.MySwitzerland.com

LITERATUR-TIPP: Hester MacDonald, Gardens: Schweiz/Suisse/Switzerland, Bergli Books, 2019   Ein Gartenführer in drei Sprachen! Deutsch, Englisch, Französisch. Die britische Gartendesignerin, die seit Jahren in der Schweiz lebt, hat fleißig Gärten in vielen Schweizer Kantonen besucht. Ja, die Schweiz ist ein Gartenreiseland! Das großformatige Buch stellt in knappen Texten 52 Schweizer Gärten der unterschiedlichsten Art vor. Vom Botanischen Garten, über den Schlosspark bis zum Museumsgarten. Die vorgestellte Vielfalt ist enorm.

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WEITERE GÄRTEN IN DER NÄHE: Im Tessin können viele Gärten besichtigt werden, wie der außergewöhnliche Teegarten am Monte Veritá, der verwunschene Parco Scherrer in Morcote, der Parco Eisenhut in Gambarogno (www.eisenhut.ch), der botanische Garten auf den Brissago-Inseln (www.isolebrissago.ch) oder – interessant für Kamelienfans – der Kamelienpark direkt in Locarno am Lago Maggiore.

 

Lesen Sie auch den vonREISENundGAERTEN-Artikel über den außergewöhnlichen Garten Bois des Moutiers in der Normandie im Norden Frankreichs.


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Waren es die warmen Farben im Dorf Carona, die die Künstler so angezogen haben?

 

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