MARRAKESCH: Oase der Gärten

Ob André Heller oder Yves Saint Laurent – Marrakesch ist ein Magnet für Künstler, die den Zauber des Südens suchen und ein Faible für Gärten haben. Die rote Stadt in Marokko bietet besonderes Grün: traditionelle islamische Gärten als auch neue Gartenkunst. vonREISENundGAERTEN zeigt die Schätze der außergewöhnlichen Reisedestination für Gartenliebhaber.

 

Marrakesch – die rote Stadt mit viel Grün

Jardin Majorelle
Wohl kaum ein Marrakesch-Besucher verpasst den Jardin Majorelle und schon gar nicht ein Garten-Tourist. Dieser Garten gilt als Muss auf einer Reise in die marokkanische Königsstadt. Jeder will mit eigenen Augen das faszinierende Kobaltblau sehen, wofür der Garten bekannt ist. Das leuchtende Blau der Gebäude und Wasserbecken hebt sich kontrastreich vom intensiven Grün der Kakteen und Palmen ab.

Magie in Blau – leuchtendes Wasserbecken im Jardin Majorelle

Der französische Maler und Pflanzensammler Jacques Majorelle hat den Garten in den 1920er Jahren angelegt und ein Kunstwerk aus Pflanzen geschaffen. 1980 kaufte Yves Saint Laurent die Anlage und ergänzte den Kaktusgarten mit imposanten Stachelgewächsen aus Amerika. Der Garten diente dem Modeschöpfer als inspirierendes Refugium.

Die Gartenwege führen zu blühenden Bougainvilleas, durch ein dichtes Bambuswäldchen, vorbei an gewaltigen Agaven bis hin zum idyllischen Seerosenteich. „Kommen Sie möglichst früh“, empfiehlt einer der Gärtner, „dann können Sie den Zauber unserer Oase noch genießen.“

Der Jardin Majorelle ist das gärtnerische Vermächtnis von Yves-Saint Laurent.

 

Die Gärten von Marrakesch entstanden Dank einer ausgeklügelten Wasserversorgung. Eine tausend Jahre alte Technik aus unterirdischen Rohren leitet Wasser aus dem nahen Atlasgebirge in die Stadt. Im Jardin Secret am Rande der Medina überlebte dieses hydraulische System.

Jardin Secret
Gerade hat man noch die vollen, engen und lauten Souks durchquert, da empfängt dieser geheime Garten den Besucher wie eine Offenbarung der Ruhe und Schönheit. Der 2016 eröffnete Jardin Secret geht auf ein altes Riad zurück, also ein typisch marokkanisches Haus mit einem geschützten Hofgarten.

Der Jardin Secret kombiniert moderne Bepflanzung mit islamischer Gartentradition.

Dort wachsen im „Exotischen Garten“ Pflanzen aus fünf Kontinenten, die gut zum Klima Marokkos passen. Die Bäume im „Islamischen Garten“ wurden wegen ihrer Symbolkraft im Islam ausgewählt: Feigen, Oliven, Dattelpalmen und Granatäpfel. Der englische Gartenarchitekt Tom Stuart-Smith kombinierte sie mit langblühenden Wiesenblumen. So gelang es ihm, die strenge Symmetrie der islamischen Gartentradition mit moderner Präriepflanzung aufzulockern.

Mitten in der Altstadt von Marrakesch in eine exotische Pflanzenwelt eintauchen – das geht im Jardin Secret.


Riads

Marrakesch ist voller Riads. Viele der historischen Ensembles sind inzwischen in Hotels umgewandelt. Hinter ihren Eingangsportalen tun sich wahre Gartenparadiese auf, die manchmal auch für externe Besucher zugänglich sind. Und die Souks der Altstadt sind nicht weit. Dort gibt es Kräuter und Gewürze aus landeseigener Produktion zu kaufen, die für die marokkanische Küche typisch sind.


La Mamounia-Garten

Mächtige Mauern mit Zinnen umschließen einen der weitläufigsten Gärten der Stadt. Im 18. Jahrhundert hat Sultan Mohammed Ben Abdellah den acht Hektar großen Arsat-Garten mit Nutzpflanzen inklusive Palast für seinen Sohn Mamoun anlegen lassen. Entsprechend der islamischen Gartenkultur ist er symmetrisch gestaltet.

Der Wind rauscht in den Palmen im Garten vom Hotel La Mamounia.

1923 wurde der Palast zum ersten Hotel in Marrakesch umgewandelt. Auch Gäste, die nicht in dem legendären Hotel übernachten, können im La Mamounia-Garten flanieren und unter turmhohen Palmen marokkanischen Minztee trinken. „Die Blätter der Minze habe ich gerade in unserem Kräutergarten gepflückt“, sagt einer der Köche und entschwindet schon wieder in Richtung Gemüsegarten.

Die uralten Olivenbäume tragen immer noch Früchte, aus denen hauseigenes Olivenöl hergestellt wird.

Jahrhunderte alte Olivenbäume säumen die Alleen des La Mamounia-Gartens. Aus ihren Früchten wird eigenes Olivenöl gepresst. Rosen ranken sich an den knorrigen Stämmen hoch. Und der Blütenduft von 700 säuberlich in Reihen gepflanzten Orangenbäumen schwirrt in der Luft.

Das Hotel La Mamounia pflegt einen großen Nutzgarten mit vielen Citrusbäumen.


Arsat Moulay Abdeslam
Durch die Büsche klingt der Ruf des Muezzins der nahegelegenen mittelalterlichen Koutoubia-Moschee. Davon nicht weit entfernt liegt der Garten Arsat Moulay Abdeslam, der 2005 als Cyber Park wiedereröffnet wurde. Ursprünglich ist auch dieser Garten ein Geschenk des besagten gartenverliebten Sultans an einen seiner Söhne.

Akkurat getrimmte Hecken zitieren französische Gartenkunst. Bänder aus filigranen Gräsern dienen als Beetbegrenzungen. Touchscreen-Säulen mit Internetzugang sollen Moderne und Zukunft symbolisieren. Im Schatten alter Bäume kann in aller Ruhe Alltagsleben beobachtet werden, auch wenn der Marktplatz der Gaukler Djemaa el Fna, Marrakeschs lebendige Hauptattraktion, nicht weit ist.

 

André Heller hat sich mit ANIMA einen Lebenstraum verwirklicht.


ANIAMA-Garten

Fern vom Stadttrubel liegt der vielleicht außergewöhnlichste Garten von Marrakesch: ANIMA, ein Gartenkunstwerk des österreichischen Künstlers André Heller. Obwohl erst 2016 eröffnet, wirkt der Garten nicht neu, sondern vollkommen eingewachsen.

„Dafür haben wir in aufwändigster Logistik hohe Palmen und Kakteen durch das Land transportiert“, sagt André Heller, der bereits mehrere Gärten in verschiedenen Ländern gestaltet hat. ANIMA ist sein botanisches Lebenswerk.

Exotische Pflanzen umwachsen Kunstwerke. Da ist der meterhohe Kopf aus Mosaiksteinen, der Nebel sprüht, die Skulptur vom Popartkünstler Keith Haring mit einem riesigen Kaktus als Nachbarn, oder das Boot „Hoffnung“, das wie eine Arche Noah durch das Gras zu gleiten scheint. „Da erzählte ich Geschichten“, erklärt der Illusionskünstler, der in Marokko lebt.

ANIMA – ein Garten zum Träumen, ein träumischer Phantasiegarten.

Auf verschlungenen Wegen tasten sich die Besucher durch poetische Gartenräume, von einer Pflanzen-Kunst-Installation zur nächsten dschungeldichten Phantasie, die Augen, Ohren und Nase einnimmt.

André Hellers märchenhafter Weltgarten am Fuße des Hohen Atlas mitten in der marokkanischen Landschaft wird weiterwachsen. Ein Labyrinth ist geplant. „In Herzform,“ meint der Künstler und entschwindet in sein verzaubertes Gartenreich.

André Hellers Blick von seinem Garten in Marrakesch reicht bis zum Hohen Atlas.

 

WAS IST NOCH GUT ZU WISSEN?

GÄRTEN: Der Jardin Majorelle liegt am nördlichen Rande der Neustadt. Le Jardin Secret ist in der Medina am westlichen Rand der Souks zu finden. Der ANIMA-Garten befindet sich etwa 30 Kilometer südlich des Stadtzentrums beim Ort Ourika. Ein kostenloser Shuttle startet an der Koutoubia-Moschee. Der Arsat Moulay Abdeslam und der Garten vom Hotel La Mamounia können vom Platz Djemaa el Fna zu Fuß erreicht werden. Der Jardin Majorelle, Le Jardin Secret und der ANIMA-Garten kosten Eintritt. www.lejardinsecretmarrakech.com, www.anima-garden.com, www.jardinmajorelle.com

REISEZEIT: Auch wenn die meisten Gärten in Marrakesch ganzjährig geöffnet haben, ist die ideale Reisezeit für sie der Frühling. Im Sommer sind die Temperaturen zu hoch. Der Herbst bietet weniger Grün.

TIPP-ÜBERNACHTUNG: La Mamounia hat eine ideale Lage. Es befindet sich unweit der mittelalterlichen Koutoubia-Moschee, dem Wahrzeichen von Marrakesch, am westlichen Rande der Altstadt (Medina) und zugleich nahe der Neustadt. Der berühmte Marktplatz Djemna el Fna und auch die Souks sind vom Hotel aus zu Fuß zu erreichen. Der Flughafen Menara ist circa acht Kilometer entfernt, eine zehnminütige Taxifahrt.

La Mamounia wurde 1923 als Hotel eröffnet und im Laufe der Jahre zweimal komplett renoviert. Für die letzte Renovierung war die Luxusherberge drei Jahre lang geschlossen. Im Zuge dessen hat man den typisch marokkanischen Stil der frühen Jahre wiederhergestellt. Die Zimmer sind komfortabel und luxuriös eingerichtet.

Übernachten im La Mamounia ist kostspielig. Als Gartenfreund sollte man unbedingt ein Zimmer zur Gartenseite wählen. Der Garten steht aber auch externen Besuchern offen. Ohne im Hotel zu wohnen, lässt es sich wunderbar durch den Garten schlendern und dort einen Tee oder auch einen Lunch einnehmen – mit Blick auf die grüne Fülle.

Der weltberühmte Marktplatz Djemna el Fna in Marrakesch steht auf der UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit. Besonders am Abend ist er ein Magnet für Besucher.

LITERATUR-TIPP: Wer sich vor einer Marrakesch-Reise über die dortigen Gärten informieren möchte oder nach einer Gartenreise nachlesen will, kann zum broschierten Band „Die Gärten von Marrakesch“ greifen. Die Autorin gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Gärten in und um Marrakesch. Ausführlich stellt sie einzelne Gärten vor, die überwiegend öffentlich zugänglich sind. Dazu gibt es historische Hintergrundinformationen. Als Gartendesignerin beschreibt Angelica Gray besonders die gärtnerische Gestaltung. Man möge sich an den menschenleeren Fotos der Gärten erfreuen, aber in der Realität werden die grünen Refugien stark frequentiert. Der 2016 eröffnete, großartige „ANIMA-Garten“ ist in dem Band noch nicht enthalten.

Angelica Gray, Die Gärten von Marrakesch, broschiert, Gerstenberg Verlag, 2017, ISBN: 9-783836921299

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Ein guter Reiseführer erleichtert das Reisen. Die Journalistin, Diplom-Geografin und Afrika-Expertin Astrid Därr kennt Marokko wie ihre Westentasche. Schon als Kind bereiste sie mit ihren Eltern, ebenfalls Reisebuchautoren, das nordafrikanische Land. Kenntnisreich stellt sie dem Reisenden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten vor und gibt Tipps, wie man sich in einem arabischen Land sicher bewegt. Jene von ihr empfohlenen Restaurants, die vonREISENundGAERTEN in Marrakesch aufsuchte, waren allesamt gut und zutreffend beschrieben. Der handliche Reiseführer passt in die Handtasche. Kleines Format, viel Inhalt.

Astrid Därr, CityTrip Marrakesch, Reiseführer mit Stadtplan, Verlag Reise Know-How, 2017, ISBN: 978-3831729531

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WEITERE INFOS ZUM REISELAND Marokko:  www.visitmorocco.com

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