PARIS: Geheime Gärten unterm Eiffelturm

„Die Stadt der Liebe“ wird grüner. Bäume werden gepflanzt, Dächer begrünt, Gemeinschaftsgärten angelegt und neue Parkanlagen geschaffen. Paris investiert in Grün.
Kommen Sie mit auf eine Tour in die neueren, unbekannteren Gärten am Fuße des Eiffelturms. vonREISENundGAERTEN spaziert durch diese modernen Gärten in der französischen Hauptstadt, die sich von der Idee des klassischen französischen Barockgartens längst emanzipiert haben.

 

Paris in Grün

 

Eiffelturm mit Gräsern und Büschen

Es grünt unterm Eiffelturm …

 

Les Jardins flottants
Mitten in Paris auf der Seine, nahe der Champs-Élysées, betritt der Gartenflaneur über einen Steg eines der ungewöhnlichsten Gartenprojekte der letzten Zeit in der französischen Hauptstadt: les Jardins flottants – die schwimmende Gärten, benannt nach der Künstlerin Niki de Saint-Phalle.

 

Foto von mehreren Gartenbänke zum LIegen im Garten auf der Seine

Liegebänke im schwimmenden Garten Niki-de-St.Phalle auf der Seine in Paris

 

Diese Wassergärten sind Teil eines Begrünungsprogramms der Seine-Ufer. Wo einst Autolawinen sich entlang quälten, wird nun die Biodiversität in der Stadt gesteigert. Ziel der Gärten auf dem Wasser war es, nicht nur zusätzliche Erholungsfläche zu bieten, sondern auch die Artenvielfalt in den Uferzonen zu steigern.

 

 

In vier riesigen, mit Erde gefüllten Stahlbehältern wachsen ausschließlich einheimische Bäume, Büsche und Blumen. Eine Entenfamilie watschelt an den elegant geschwungenen Sonnenliegen entlang. Das Naturidyll kommt leicht ins Schwanken, als ein Ausflugsboot vorbeifährt. Die Stadt wirkt fern und nah zugleich. Der Blick geht zwischen den Gräsern zum Eiffelturm.

 

Eiffelturm spiegelt sich im Glas mit rötlich schimmernden Büschen

Exotisch schimmert der Garten vom Musée du quai Branly durch die farbige Glasscheibe.

 

Garten vom Musée du quai Branly
Zu den Füßen des vielleicht berühmtesten Turmes der Welt, nur ein kleines Stück weiter am Seineufer, schützt eine hohe, teils farbige Glaswand den Garten vom Musée du quai Branly, dem Museum für außereuropäische Kunst, vor dem tosenden Verkehr. Tatsächlich lassen sich stille Ecken finden in dem zwei Hektar großen Museumsgarten. Hügelig erstreckt er sich über verschiedene Ebenen.

 

 

Farn- und Bambusbeete wechseln sich ab. Gräser und Stauden schmiegen sich unter Bäumen, daneben ein Teich mit Schilf. Ein vertikaler Garten fügt sich an der Fassade des Verwaltungsgebäudes hinzu. Die Pflanzen dieser begrünten Wand wachsen üppig über mehrere Etagen in den Himmel. Inzwischen fördert die Stadt Paris intensiv die Begrünung von Fassaden und Dächern.

 

 

Paris in Grün
„Végétalisation – Natur in die Stadt!“ lautet das Motto des ambitionierten Begrünungsprogramms, welches Paris sich selbst verordnet hat. Ehemalige Bahndämme werden da bepflanzt, ebenso wie Straßen, Dächer und Hinterhöfe. Dazu gibt es neue Parks und Gärten, meist modern gestaltet.

 

Eiffeltum mit Gäsern im Vordergrund

Frankreich liebt die Gartenkunst und schafft viel neues Grün in Paris.

 

Jardin Anne-Frank
Völlig versteckt im Marais-Viertel liegt der Jardin Anne-Frank, der in drei Teile gegliedert ist. Der Besucher betritt zuerst einen zeitgenössischen Garten. Sogleich steht er vor einer weißen Rosskastanie – und ist emotional tief berührt: „Es handelt sich um einen originalen Ableger des Baumes, den Anne Frank in ihrem berühmten Tagebuch als Trostspender beschreibt“, erklärt Pascal Bonneau von der Pariser Stadtverwaltung. Ein Baum der Hoffnung also. Weltweit gibt es mehrere Ableger-Bäume des originalen Anne-Frank-Baumes.

 

 

Hinter Mauern öffnet sich der zweite Teil, der ursprüngliche Park des Stadtpalais Saint-Aignan. Das noble Gebäude birgt heute ein Museum. „Dieser Gartenteil möchte an den klassischen französischen Stil erinnern“, sagt Gartenkenner Pascal Bonneau. Der aufwändig gearbeitete, mit Rosen bewachsene Laubengang aus Holz ist typisch dafür. Ein Stück Gartenkunst à la française wie im 17. Jahrhundert.

 

Blick durch den Laubengang auf den französichen Garten vom Jardin Anne-Frank.

Der mittlere Teil vom Jardin Anne-Frank ist klassisch französisch geprägt mit einem Laubengang.

In der dritten Parzelle spielen Kinder unter blühenden Obstbäumen neben Gemeinschaftsbeeten. Eine Mini-Idylle inmitten von Hinterhöfen, die die Sehnsucht der Franzosen nach einem Garten auf dem Lande widerspiegelt. Urban-Gardening im Kleinformat.

 

 

Nelson-Mandela-Garten
Nicht all zu weit entfernt, direkt vor dem spektakulären Neubau von Les Halles, entsteht das jüngste Parkprojekt von Paris: der Jardin Nelson-Mandela, eher ein begrünter Platz als ein wirklicher Garten. Ein Band aus Betonstufen umrahmt Wiesenflächen mit Gehölzen. Da sitzen die Menschen, ruhen sich im Trubel aus und beobachten andere, die durch die Grünanlage eilen.

 

Menschen sitzen auf den modernen Parkbänken im der Jardin Nelson-Mandela in Paris.

Mittags sitzen viele Besucher auf den Parkbänken vom neuen Jardin Nelson-Mandela.

 

Übrigens, die berühmten Namensgeber der neuen Parks haben meist keinen direkten Bezug zum Ort. So ist es auch mit dem Parc Clichy-Batignolles Martin-Luther-King, eine der aller modernsten Gartenanlagen in Paris.

 

Allee aus Bäumen mit weißen Blüten und spielenden Kindern

Der moderne Park Clichy-Batignolles Martin-Luther-King verwandelt sich im Frühjahr in ein weißes Blütenmeer.

 

Park Clichy-Batignolles Martin-Luther-King
Auf einem still gelegten Bahngelände erwächst ein neues Stadtquartier mit der größten Grünfläche im Nordwesten der Stadt. Am Ende werden es zehn Hektar sein. Im jetzt schon begehbaren Teil ziehen die Jogger ihre Runden durch den Park, voll mit grünen Hügeln, geschwungenen Wiesen, Schatten spendenden Bäumen und einem Wasserbassin voller Schilfpflanzen. Der Park wirkt naturnah und geordnet zugleich. Eine wirklich grüne Oase, die Menschen in Scharen anzieht.

 

 

La petite Ceinture – Park am Bahngleis
Um in tatsächlich wild gewachsenes Grün abzutauchen, nehmen Gartenfans die Treppe abwärts, nahe der Porte de Versailles. Da geht es hinunter zu der mehrere Meter tiefer liegenden, ehemaligen Eisenbahntrasse La petite Ceinture. Dieser „kleine Gürtel“ um Paris wurde 1934 stillgelegt. Seitdem haben Pflanzen das Bahnterrain wild zu gewuchert: Feldahorn, Weißdorn und Heckenrosen. Vögel brüten im Gebüsch.

 

 

Dieses Stadtbiotop mit großer Biodiversität wird seit 2006 nach und nach für Fußgänger zugänglich gemacht. Auch Wildtiere bewegen sich auf der 32 Kilometer langen Strecke durch die Stadt. Bewußt will man noch mehr dieser ökologischen Korridore schaffen. Dazu sieht der „Begrünungsplan“ von Paris vor, bis zum Jahr 2020 zusätzlich 20.000 Bäume zu pflanzen und weitere 30 Hektar an Grünflächen zu schaffen. Zu diesem Vergrünerungsporjekt gehört auch, auf Pestizide zu verzichten. In den Straßen von Paris darf auf den Baumscheiben rund um die Stadtbäume nun „Unkraut“ wachsen. Früher undenkbar. Schon summen die Insekten.

 

Rosa blühende Bäume zwischen Häusern in Paris

Grüne Korridore sollen Parks und Gärten in Paris miteinander verbinden.

 

Promenade plantée – Park in luftiger Höhe
Fast noch ungewöhnlicher ist es – nicht in der Tiefe, sondern in der Höhe – durch die grüne Stadt zu spazieren. Auf einem alten Viadukt aus Backstein im Südwesten von Paris schlängelt sich ein begrünter Fußweg: die Promenade plantée. Mehrere Meter hoch über dem Straßenniveau gedeihen Gehölze, Hecken und Blumen.

 

 

Wo bis 1969 noch eine Bahn fuhr, lässt sich heute auf diesem Hochweg das 12. Arrondissement entspannt durchwandern, ohne je eine Straße überqueren zu müssen. In luftiger Höhe bietet der 4,7 Kilometer lange Garten Pflanzen mit Aussicht. Es ist der Blick auf eine Stadt, die es mit der Begrünung ernst meint. Mehr und mehr gilt es nun, die neuen grünen Seiten von Paris zu entdecken.

Gartenweg durch Pflanzen.

Auf der Promenade plantée lässt sich in luftiger Höhe durchs grüne Paris flanieren.

Metro-Garten
Und dann gibt es unter der Oberfläche in der Tiefe sogar auch einen unterirdischen Garten, allerdings ausschließlich für Metro-Nutzer. Die Bahn rast durch die dunklen Tunnels. Zwischen Chatelet und Gare de Lyon blitzt plötzlich eine grüne Oase mit künstlichem Licht auf. Der Besuch dieses mysteriösen „Metro-Gartens“ dauert nur einen ratternden Augenblick. In Paris hat man es mit der Begrünung wirklich ernst genommen…

Eiffelturm mit blühenden Bäumen

Von vielen Gärten in Paris kann man den Eiffelturm sehen.

 

WAS IST NOCH GUT ZU WISSEN?

INFORMATIONEN: Die beschriebenen Gärten liegen in Paris innerhalb des Boulevard périphérique (Stadtautobahnring)und sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Sie kosten keinen Eintritt und können eigenständig besuchst werden. In den städtischen Gartenanlagen bietet die Stadtverwaltung von Paris kostenpflichtige Führungen an, für die man sich anmelden muss. Insgesamt gibt es in Paris fast 500 öffentliche Grünflächen mit 100.000 Bäumen. Viele der Gärten verfügen über Kinderspielplätze und auch freies W-Lan.

LAGE: Die Gärten befinden sich in folgenden Arrondissements: Jardins flottants Niki de Saint-Phalle 7e; Garten des Musée du quai Branly 7e; Jardin Anne-Frank 3e; Jardin Nelson-Mandela 1er; Parc Clichy-Batignolles Martin-Luther-King 17e; La petite Ceinture und La Promenade plantée ou coulée verte 15e und 16e

REISEZEIT:  Die meisten Gärten sind ganzjährig geöffnet. Frühling bis Herbst ist die beste Reisezeit für diese Stadtgärten. Dann blüht es auch.

TIPP-ÜBERNACHTUNG: Einen schönen, asiatisch anmutenden Garten findet der Paris-Reisende im Regent’s Garden Hotel, welches vor einiger Zeit grundsaniert wurde. Die Ausstattung der Zimmer ist in dunklen Tönen gehalten. Die Champs-Elysées sind nicht weit entfernt. 6 Rue Pierre Demours, 75017 Paris

 

LITERATUR-TIPP: Baedecker, das bedeutet: alphabetisch geordnet, übersichtlich, gründlich und solide. Inzwischen neu gestaltet mit runden Ecken. Ein Reiseführer nicht nur zum Mitnehmen, sondern ebenso zum Davor- und Danach-Lesen.
Die Autorinnen erwähnen auch einige Gärten in der Stadt: bekannte wie den Jardin de Luxembourg, den vom berühmten Gärtner André Le Notre entworfenen Jardin des Tuileries oder – sehr ausführlich – den Garten des Bildhauers Auguste Rodin mit den tonnenschweren Skulpturen des Künstlers, ebenso wie unbekanntere Gärten, wie zum Beispiel den Jardin Shakespeare im Parc de Bagatelle, wo alle Pflanzen aus den Dramen des Dichters wachsen, und den Garten im Musée de Montmartre, der mit Rosen, Fliederbüschen und Mandelbäumen nach den Gemälden von Renoir angelegt wurde.
Baedeker, Reiseführer Paris, Verlag Karl Baedeker, 2018, ISBN: 978-3829746199
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WEITERE INFOS ZUM REISELAND Frankreich: de.france.fr, zu den Gärten in Paris: www.parisinfo.com, www.biodiversite.paris.fr, www.paris.fr/actualites/thematiques/nature-et-espaces-verts, www.lesberges.paris.fr, www.quaibranly.fr

Lesen Sie auch den vonREISENundGAERTEN-Artikel über den außergewöhnlichen Garten Bois des Moutiers in der Normandie im Norden Frankreichs.

 

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