KANADA: Chefgärtnerin von Toronto

 

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Die Skyline von Toronto direkt am Lake Ontario

 

Ontario/Toronto/Botanischer Garten// Mit ihrer Familiengeschichte ist Sandra Pella wohl eine typische Kanadierin: Ihre Großeltern kamen einst aus Italien und ihre Mutter stammt aus der Ukraine. Für die Einwohner von Toronto sind diese multi-nationalen Lebensgeschichten besonders häufig. In der viertgrößten Stadt Nordamerikas werden etwa 130 Sprachen und Dialekte gesprochen. Die Stadtverwaltung gibt Informationsbroschüren für ihre Bewohner allein in 30 Sprachen heraus. Etwa 50 Prozent der Stadtbewohner sind außerhalb Kanadas geboren. Bei dieser Faktenlage erwartet der Reisende ein ziemlich buntes Stadtbild.

Toronto
„Toronto ist Leben“, sagt Sandra und das sieht und spürt man auf den Straßen der Innenstadt. Überall sind Menschen unterwegs. Alle sind in Bewegung. Es gibt soviel zu sehen und zu tun. Da sind die unzähligen Spezialitäten-Restaurants, Kinos, Galerien, Theaterbühnen, dazu mehrere bedeutende Museen. In der größten Stadt Kanadas mit ihrer fotogenen Lage direkt am Lake Ontario ist immer irgendetwas los.

Doch Sandra Pella braucht den Kontrast. Sie braucht die Farbe grün und sie braucht Pflanzen um sich. So ist der Botanische Garten von Toronto ein idealer Arbeitsplatz. Sie arbeitet dort seit 2008 als Head-Gardener, das heißt: sie ist die Chef-Gärtnerin.

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Sandra Pella, Head Gardener von Toronto Botanical Garden

Der Toronto Botanical Garden liegt abseits von Downtown. Taxifahrer Farid aus Bangladesch kennt die Strecke nicht auswendig. Denn nicht allzu viele Touristen fragen danach. Blumen säumen den Eingang. Das Hauptgebäude ist von Pflanzen eingewachsen.
Auch wenn Torontos Botanischer Garten nicht riesig ist, so ist Obergärtnerin Sandra Pella doch stolz. „Wir geben Impulse, wir sind Teil einer modernen Bewegung“, erklärt sie. „Gärtnern wird immer populärer in Kanada. Auch junge Leute haben großes Interesse am Thema Pflanzen. Sie stellen Fragen: Woher kommt unser Gemüse, unser Essen? Wir erhalten viel Unterstützung.“

Gartenarbeit als Ehrenamt
Etwa 45 aktive ehrenamtliche und 15 festangestellte Mitarbeiter kümmern sich um den Garten. Da wird gerecht, geschaufelt und gejätet. Einige ältere Leute – alle bestückt mit einem Sonnenhut – bearbeiten die Beete oder fegen die Wege.

Thai Chi im Grünen
Die Besucher genießen das Resultat dieser Arbeit. Da flaniert eine Gruppe von Asiatinnen – auch mit Sonnenhut bestückt – an den herzförmigen Blättern der Kanadischen Kirsche vorbei. Überhaupt sind viele asiatische Gäste im Garten. Im Stadtteil North York, in dem sich der Toronto Botanical Garden befindet, lebt eine große asiatische Community. Morgens machen die ersten schon Thai Chi im Anblick einer stattlichen Sammlung an Helleborus, der Lenz- und Christrose mit ihren unterschiedlich hellen Grüntönen. Die wachsen hier besonders gut. Der Grund: Der Boden von Toronto tendiert zu einem hohen PH-Wert und ist reich an Calcium. Die Helleborus tolerieren das gut.

An einigen Stellen muss man vor den Rabatten einfach stehenbleiben und fotografieren: Da wiegen sich die elfenbeinfarbenen Diamant-Astilben im Wind. Ihre hellen Puschel bilden ein ganzes Feld. Zum Kontrast dazu leuchten die Blätter des Japanischen Ahorn feuerrot in der Sonne. Ohne Ahorn geht in Kanada gar nichts, und wenn es auch ein japanischer Ahorn ist.

Kräuter der First Nation
Im Kräutergarten wachsen Heilkräuter, die schon von den Ureinwohner Kanadas genutzt werden, besonders auch von dem lokalen Indianerstamm der Irokesen. Viele traditionellen Heilmethoden der First Nation People werden noch heute praktiziert.
Auf einem steil abfallenden Weg geht es abwärts in die kleine Schlucht des Don Rivers. Die Besucher bewegen sich durch einen Mischwald, in dem Bäume wachsen, die nicht mehr allzu oft zu finden sind. Einst war die ganze Fläche von Toronto mit Wald bedeckt. Typisch für den Süden der Provinz Ontario war der sogenannte Carolinian Forest. Abholzung und Umweltverschmutzung haben viele der ursprünglichen Pflanzenarten ausgerottet, die noch im 19. Jahrhundert in der Gegend wuchsen.

Tulpenbaum und Sassafras
Im Garten sind noch zwei Vertreter des ursprünglichen Baum-Erbes zu besuchen: der Tulip Tree, der Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) also, mit seinen intensiv hellgrünen Blättern, die an Ahorn erinnern. Und der Sassafras (Sassafras albidum). „Die sind sehr schwierig zu ziehen. Sassafras sind empfindlich und gelten daher als besonders wertvolle Umweltindikator- Pflanzen“, erläutert Sandra.

Die Chefgärtnerin hat früher auch einige Zeit im berühmten Dexter Garden in England gearbeitet. Ihre Erfahrungen von dort fließen heute in ihre Arbeit mit ein. Doch so extremen Temperaturschwankungen wie in Kanada sind die Pflanzen in Großbritannien bei weitem nicht ausgesetzt.
Auch kann der Botanische Garten von Toronto auf keine lange Tradition zurückblicken. Er entstand erst 2006 als non-profit Organisation. Der Garten muss also sein Geld selbst verdienen durch Fundraising, Veranstaltungen und Spenden. Die Stadt gibt nur wenig dazu.
„Langfristiges Ziel ist es, den Garten mit dem nahegelegenen Park zu vereinen und ihn der öffentlichen Hand zu unterstellen“, meint Sandra und spielt damit Zukunftsmusik. Die beiden Grünanlagen liegen nebeneinander und gehen schon heute quasi ineinander über. Viele Besucher bemerken den Übergang zum städtischen Park Edwards Garden gar nicht. Er verfügt über große Bestände an Magnolien und Rhododendren.
Sandra Pella bleibt optimistisch. Sie wirkt gut gelaunt und strahlend. Gibt es auch etwas, was sie ärgert in ihrem Garten? „Ja“, sagt sie, „wenn Besucher gedankenlos einfach an Pflanzen rupfen. Manche pflücken die Blumen einfach weg.“

Kanadas größte private Gartenbibliothek
Der Rundgang durch den Botanischen Garten endet im Hauptgebäude. Innen fällt eine Besonderheit auf: eine Bibliothek. Viele Bücherregale reichen bis unter die Decke. Eine Frau sitzt an der Seite und liest vertieft in einem Bildband. „Mit über 100.000 Büchern und 60 abonnierten Gartenzeitschriften ist unsere Gartenbibliothek, die ‚Weston Family Library’, die größte private Gartenbibliothek in Kanada“, erläutert Sandra. „Zu uns kommen nicht nur Gartenfans und Spaziergänger, sondern auch Studenten, Lehrer und Professoren zum Lesen.“

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WAS IST NOCH GUT ZU WISSEN?

Im Toronto Botanical Garden finden vor allem im Sommer viele Veranstaltungen statt, wie zum Beispiel die Konzertreihe „Gardens of Songs“ (Eintritt frei) oder der Organic Farmers’ Market, ein ganzjähriger Biomarkt (innen und außen).

INFORMATIONEN: Toronto Botanical Garden (TBG), 777 Lawrence Avenue East, Toronto, ON M3C 1P1, Provinz Ontario, www.torontobotanicalgarden.ca

BESONDERES: Der Toronto Botanical Garden bietet auch Kurse, Workshops und Lesungen zum Thema Garten, Pflanzen, Landschaft (auf Englisch) an. Darüberhinaus läuft ein Ausbildungsprogramm zur „Garten-Therapie“, unterstützt von der Canadian Horticultural Therapy Association (CHTA).

TIPP-SPEISEN: Mitten im Garten in einer historischen Scheune befindet sich das Tagescafé Toronto Botanical Garden 10des Toronto Botanical Garden.

TIPP-SHOPPING: Der Shop im Hauptgebäude des Botanischen Gartens verkauft Gartenutensilien, Pflanzensamen und Souvenirs für Gärtner.

TIPP-LITERATUR: Mehr zu endemischen Pflanzen in der kanadischen Provinz Ontario: Lorraine Johnson, The new Ontario Naturalized Garden, 200, ISBN 15528522008 (auf Englisch)

BLOG: Mehr über Sandra Pella gibt es auf ihrem Blog „What’s in Bloom“ zu finden.
http://torontobotanicalgarden.ca/category/blog/inbloom/

WEITERE INFOS ZUM REISELAND  Kanada, zu Ontario, zu Toronto:
www.ontariotravel.net  (auf Englisch)
www.SeeTorontoNow.com  (auf Englisch)
http://de-keepexploring.canada.travel/  (auf Deutsch)

 

LESEN SIE AUCH  über den Botanischen Garten von Kapstadt in vonREISENundGAERTEN:  SÜDAFRIKA: Kirstenbosch – Botanischer Garten am Tafelberg

 


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